PV Speicher Pooling: „Wie kann mein Strom aus Regelenergie kommen, wenn zeitgleich meine PV Anlage läuft?“ – Dieser Frage ging „photovoltaik-speicher.org“ gemeinsam mit einem Stromspeicher-Kunden aus Brandenburg nach.

Die Rückmeldungen auf meinen Blogpost PV Speicher Pooling waren zahlreich. Nachdem der angesprochene Speicherhersteller Ende Mai mit „photovoltaik-speicher.org“ Kontakt aufgenommen hat, liegt mir nun eine Gegendarstellung vor, die selbstverständlich mit aufgenommen wird. Mein Ziel ist es, Sie über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten, deshalb muss jeder auf dieser Plattform zum Reden kommen können:

Seit 2012 beschäftige ich mich mit dem Thema „PV Speicher“. Ich bin davon überzeugt, dass dezentrale, sichere und effiziente Stromspeicher ein Eckpfeiler für die Energiewende sind. In meinen Beiträgen interviewe ich Speicher-Hersteller und Elektrounternehmen, doch noch lieber lasse ich KundInnen zu Wort kommen: Jene Innovatoren und Pioniere, die durch ihre Kaufentscheidungen dazu beitragen, dass der Stromspeichermarkt überhaupt erst „in Fahrt gekommen“ ist.  Häufig wenden sich KundInnen an „photovoltaik-speicher.org“, wenn sie Fragen zum Einbau eines Stromspeichers haben und immer öfters auch, nachdem sie bereits einen Speicher eingebaut haben. So auch  Herrn F., aus Brandenburg, der mit seinem PV Speicher bisher noch nicht zufrieden ist

PV Speicher gegen zu hohe Stromkosten

Im Jahr 2014 entschloss sich Herr F. (wegen der noch laufenden Reklamation wird der Name des Kunden nicht genannt), etwas gegen seine hohen Stromkosten zu tun. Er machte sich im Gespräch mit zahlreichen Photovoltaikanbietern schlau, und beschloss eine Photovoltaikanlage mitsamt PV Speicher zu installieren. Zur Auswahl standen damals Speicher auf Blei- und auf Lithiumbasis. Aufgrund seiner beruflichen Vorerfahrung mit Bleiakkus, die in Hubwagen, Stapler und Transporttechnik eingesetzt waren, entschloss sich Herr F. ein System auf Bleibasis zu kaufen. Dabei war es ihm besonders wichtig, sein Speichersystemen netzdienlich einzusetzen und gleichzeitig einen Mechanismus zu finden, mit dem die Bleizellen auch im Winter regelmäßig be- und entladen werden, um ihre Lebensdauer zu erhöhen. Er entschied sich für einen Speicher eines deutschen Speicherherstellers, der sowohl Blei- als inzwischen auch Lithiumzellen im Programm hat. Seine Wahl fiel auf ein 16 kWh Speichersystemen in Verbindung mit einer 7,4 kWp Photovoltaikanlage (hier finden Sie eine Anleitung zur richtigen Dimensionierung Ihres Solarspeichers). Besonders sprach Herrn F. die Option an, dass im Rahmen eines, auf von 5000 Nutzer limitierten Energieversorgungsprogrammes, jedem Speicherkunden bis zu 800 kWh Strom im Jahr kostenlos zur Verfügung gestellt werden würden.

 PV Speicher Pooling

Wieso bietet ein PV Speicherhersteller kostenlosen Strom für seine Kunden an? Wie geht das?

Auf Grund des steigenden Anteils Erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung in Deutschland kommt es immer wieder zur Notwendigkeit von negativer Regelenergie (Erklärung dazu folgt unterhalb). Diese kann zu minimalen Preisen abgerufen werden bzw. bekommt man zum Teil sogar einen Bonus für den Verbrauch von Strom, wenn der Übertragungsnetzbetreiber ein Stromüberangebot im Stromnetz managen muss. Hier können mehrere Speicher im Verbund als „Ein großer Stromverbraucher“ agieren und Überkapazitäten „wegspeichern“. Das Management und die Koordination dieser Speicher übernimmt in diesem Angebot der Speicherhersteller, zusätzlich kümmert er sich angeblich laut Mustervertrag, der online einzusehen ist, um die Präqualifikation der Speichersysteme und um die Beteiligung an den Ausschreibungen und Auktionen des Übertragungsnetzbetreibers. Die Speicherkunden zahlen dafür eine jährliche Teilnahmegebühr (€ 20.-), halten Reservekapazität zum Speichern des Überschussstromes vor und komplettieren ihren Stromspeicher mit einem zusätzlichen Zähler und der notwendigen Steuerungselektronik.

PV Speicher Module

 

 Anmerkung: Was ist Regelenergie?

„Regel-“ oder, in Österreich „Ausgleichsenergie“, ist notwendig, wenn Stromerzeugung und Stromverbrauch im Stromnetz nicht deckungsgleich sind. Schwankungen in Erzeugung und Verbrauch sind alltäglich, jedoch werden insbesondere durch die Produktion von Strom aus Erneuerbaren und schwer planbaren Energieträgern (Wind, Sonne) immer häufiger wachsende Mengen an Regel- oder Ausgleichsenergie benötigt. Wird zusätzliche Energie aus Kraftwerken benötigt, weil die Nachfrage die Erzeugung in einem Zeitraum übersteigt, spricht man von „positiver Regelenergie“. Sinkt die Nachfrage unter das Erzeugungsniveau und können Kraftwerke kurzfristig die Stromerzeugung nicht weiter drosseln, müssen zusätzliche Verbraucher zugeschaltet werden, beispielsweise industrielle Verbraucher oder auch Stromspeicher. Diese Verbrauchsflexibilität zählt zur „negativen Regelenergie“, da das Stromüberangebot verbraucht oder gespeichert wird.

Wichtig ist weiters die Unterscheidung zwischen Leistungsbereitstellung und Arbeitsleistung: im Rahmen zweier Merit Order Lists wird einerseits die vorgehaltene Energieleistung bezahlt und zusätzlich im Falle eines Energieabrufes auch die geleistete Strommenge selbst. Das bedeutet, dass Regelenergielieferanten auch Geld verdienen können, ohne Regelenergie tatsächlich zu liefern (sie müssen die Leistungsreserve jedoch garantiert vorhalten).

Pooling der Leistungsreserven

Gratisstrom doch kein Lockangebot – eine Richtigstellung von „Photvoltaik-speicher.org“

Auf der Website des Herstellers wird damit geworben, dass bereits 1 Mio. kWh kostenloser Strom an die Speicherkunden geliefert worden sei. „Wie dieser Strom aus Regelenergie stammen soll, ist mir allerdings nicht klar. Außerdem ist mir überhaupt nicht klar wie bei negativer Regelenergie sichergestellt werden kann, dass die Energie bei mir wegkommt, wenn auch noch gleichzeitig die Photovoltaikanlage läuft?!“, so Herr F.

Deshalb hat der Herr F. Kontakt mit dem Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz Transmission GmbH aufgenommen und gefragt ob das besagte Speicher-Herstellerunternehmen denn überhaupt als Regelenergieanbieter präqualifiziert ist; die Rückmeldung des Übertragungsnetzbetreibers war deutlich:

Die deutschen Übertragungsnetzbetreiber schreiben auf der Plattform www.regelleistung.net gemeinsam die u.a. in Deutschland benötigte Regelleistung aus. Auf dieser Seite finden Sie unter https://www.regelleistung.net/ext/download/anbieterliste eine regelmäßig aktualisierte Liste von präqualifizierten Anbietern. Darüber hinaus möchten wir darauf aufmerksam machen, dass Stand heute in der Regelzone 50Hertz keine Batterie mit weniger als 1 MW Leistung präqualifiziert ist; in den anderen deutschen Regelzonen soll dies ähnlich sein. Die derzeit präqualifizierten Batterien werden alle für Primärregelleistung eingesetzt und dienen somit der Frequenzregelung, ohne dass Fahrplanlieferungen getätigt werden.

 

Damit war Herr F. sicher, dass seine Speicheranlage nicht zu den präqualifizierten Systemen gehören kann, für die er eigentlich einen eigenen Tarif beim Speicherhersteller und Energieversorger bezahlt. Da die KundInnen bereits kostenlosen Strom erhalten, ist für sie davon auszugehen, dass ihre Speicher bereits präqualifiziert sind.  Klarheit bringt hier ein Interview mit PV Magazine, in dem Thomas Pilgram, Generalbevollmächtigter des Unternehmens DEV, auf die Frage: „Ist bei den kostenlosen Lieferungen wirklich schon Regelenergie dabei und wenn ja, wie viel?“ erläutert: „Wir erzielen Erlöse aus Regelleistung, haben derzeit jedoch noch keinen Regelenergieabruf.­­ Unseren Kunden stellen wir den Strom kostenlos zur Verfügung.“

Was im Gespräch mit dem Hersteller zusätzlich herauskam, ist, dass diese Speicher Teile eines gesamten Pools sind und werden. „Pooling“ ist eine Methode, mit der auch sehr kleine Energieerzeuger (oder Speicherbetreiber) am bundesweiten Regelenergiemarkt mitwirken können. Dabei gibt es unterschiedliche Modelle deutscher Energieversorger, wie LEW, Trianel und EON. Sie „poolen“ die Regelenergie aus vielen kleinen und auch großen Energieerzeugern und übernehmen das Management sowie die Teilnahme an den Ausschreibungen. Die smarte Batterie hat kurzfristigen Einblick in die Koooperationsvereinbarungen mit den Pooling-Partnern bekommen und bestätigt dies. Jeden Speicher dabei einzeln abzurechnen, bedeute mehr Aufwand, als die Poolteilnahme bringt, deswegen wird häufig auf eine Pauschale für die Leistungsbereitstellung zurückgegriffen. Diese Pauschale wird in dem zuvor behandelten Fall in Form von Gratis-strom, wie auch im Beitrag von PV-Magazine erwähnt, abgegolten.

Uneinigkeit zwischen Kunden und PV Speicherhersteller

Nachdem Herr F. zunächst die Bestätigung erhalten hatte, zu den 5000 „privilegierten“ Nutzern zu zählen, musste er trotzdem bis November 2015 warten, bis die vereinbarten Zusatzfunktionen für seinen Stromspeicher, zumindest teilweise erst installiert und freigeschaltet worden waren. Doch selbst dann funktionierte das System nicht so, wie es ihm ursprünglich versprochen worden war: Das Stromspeichersystem wurde als lang erprobtes System vorgestellt. Zum Erhalt der Leistungsfähigkeit verfüge das System laut Hersteller über diverse automatische Wartungsprogramme. Im Stromspeicher, von dessen Kapazität nur 8 kWh (50% Depth of Discharge/Entladetiefe) regelmäßig genutzt werden können, wurden anfänglich ausschließlich nachts um 00:00 Uhr die Wartungsladungen gestartet. Somit konnte Herr F. in diesem Zeitraum nicht auf seinen gespeicherten Sonnenstrom des Vortages zugreifen und musste für seinen Haushalt erst recht teuren Netzstrom beziehen. Auch der Strom für die Wartungsladungen wurde teuer aus dem Netz bezogen.

 

Darauf angesprochen, gab der Speicherhersteller der smarten Batterie kurz und einmalig Einblick in das Backend von Econamic Grid und antwortete: „Herr F. hat bereits in diesem Jahr 400 kWh kostenlosen Strom erhalten und  nicht teuren Netzstrom. Im gesamten Zeitraum seit dem allgemeinen Start des Econamic Grid im August 2015 haben sehr viele Teilnehmer 600 bis 800 kWh Gratisstrom von uns erhalten. Einige sogar über 2.000 kWh, die unseren Großspeicher SENEC.Business betreiben. Es gab leider einige Verteilnetzbetreiber, bei denen es zu Verzögerungen hinsichtlich des Vertragswesens kam, so dass es vereinzelt leider zu einem verspäteten Stromlieferbeginn kam, als erwartet. Dies haben jedoch nicht wir zu verschulden, sondern liegt in der Sache an sich. Man darf nicht vergessen, dass wir mit diesem Pionierprojekt gegen 100 Jahre fest eingefahrene Energie-Strukturen kämpfen, um Privathaushalten den Zugang zu preisgünstigerer Energie zu ermöglichen. Das damit die über 800 deutschen Verteilnetzbetreiber bzw. die klassischen Energieversorger ein Problem haben und uns hierbei nicht flächendeckend unterstützen, wird vermutlich jedem verständlich sein. Letztlich aber sind wir rechtlich aus unserer Sicht auf der sicheren Seite und kämpfen für unsere Kunden. Das bedeutete auch, dass wir hierzu die Bundesnetzagentur und zur EEG-Clearingstelle einbezogen haben.“

 

PV Speicher Wirkungsgrad auch anders, als offiziell angegeben

Doch Herr F. meldete noch eine weitere Entdeckung: der Systemwirkungsgrad des Stromspeichers beträgt laut Herstellerangabe 86-92%, wie sich aber herausstellte, liegt der tatsächliche Systemwirkungsgrad ganz woanders – innerhalb von zwei Monaten waren von 1200 kWh Sonnenstromproduktion rund 137 kWh Energie verschwunden. Nach Abdeckung des Hausverbrauchs und unter Berücksichtigung von Netzeinspeisung und -bezug fehlte diese Energiemenge und konnte nur dem Eigenverbrauch des Stromspeichersystems zugeordnet werden. „Da kann ich doch gleich für das halbe Geld ins öffentliche Stromnetz einspeisen“, meinte Herr F. sichtlich enttäuscht.

Der gesamte Wirkungsgrad beträgt für den Stromspeicher laut Herrn F. tatsächlich nur knapp über 73%, das ist weit weg von der offiziellen Herstellerangabe: „Noch dazu werden Verluste des Akkus vom Hersteller als Eigenverbrauch des Hauses verzeichnet. Deshalb habe ich mir einen zusätzlichen Stromzähler in meinem Elektroschrank einbauen lassen, um diese Werte unabhängig zu erfassen.“

Mein Stromzähler ohne PV Speicher

Der Hersteller entgegnet: “137 kWh Verlust von 1.200kWh entspricht 11,41% Wirkungsgradverlust und liegt in der Mitte, der von uns angegebenen Bandbreite, und im Vergleich mit anderen Herstellerprodukten ist dieser Wert sogar überdurchschnittlich gut. Jedes elektrische Gerät ist von Wirkungsgradverlusten betroffen. Im Vergleich dazu haben wir die dreifache Menge an Strom in 2016 kostenlos zur Verfügung gestellt“.

Bezahlte Leistung noch unvollständig?

In den Wintermonaten, also in der Zeit, in der von der PV-Anlage recht wenig Eigenversorgung zu erwarten ist, sollte der Akku aus Regelenergie kostenlos beladen werden. Gleichzeitig soll auch für eine zusätzliche Heizfunktion (Wärmepumpe, Heizstab) weiterer kostenloser Strom zur Verfügung gestellt werden. Beide Funktionen waren wichtige Entscheidungskriterien für die Auswahl dieses Stromspeichersystems. Genau aus diesem Grund, nämlich um Regelenergie zu beziehen, hat der Herr F. im Jahr 2014 noch zusätzlich teure Hardware (dreiphasiger Leistungszähler, Schütz, Kommunikationsanbindung, etc.) in den Installationsauftrag aufnehmen lassen und einen zusätzlichen Schaltschrank installiert. Laut Hersteller sind die Hardwarekomponenten für die Heizfunktion allerdings bis heute noch nicht lieferbar.  „Dafür habe ich aber schon 2014 bezahlt, leider habe ich den Fehler gemacht, die Rechnung bereits vollständig zu begleichen“, so Herr F. „Inzwischen prüfe ich die Möglichkeit, vom Kauf zurückzutreten und habe mir einen Rechtsbeistand geholt.“

Auf die Frage, was Herr F. damals wie heute zu einem Speicher motiviert hatte und was er nun anders machen würde, sagte er: „Netzstabilität, Umweltschutz und niedrigere Energiekosten motivierten mich, werden hier aber nicht erfüllt. Ich hätte sicher nicht vollständig diese unfertige Leistung gezahlt und keinen Speicher mit Bleizellen genommen, der nicht das ganze Jahr über mittels Erhaltungsladungen regelmäßig gewartet wird.“

Der Hersteller entgegnet: „Wir haben  die Steuerung „SENEC.Heat Power Box“ für den Heizstab noch nicht im Angebot, somit konnte er auch nicht verkauft werden. Trotzdem haben wir  gemeinsam mit dem Installateur ein Rückkaufangebot abzüglich der kostenlosen Energie erstellt. Auf dieses wollte Herr F. nicht eingehen, er drohte stattdessen mit Strafzahlungen und wollte für entgangene Gewinne für die nächsten 20 Jahre rekompensiert werden. Das ist nicht mehr ernst zu nehmen.“

Rechnung noch offen? David gegen Goliath

Fazit

Die einzelne Abrechnung jedes Heimspeichers im Regelenergiemarkt ist aufwändig und kaufmännisch nicht sinnvoll, die Energiebereitstellung jedoch schon. Mit einem intelligenten „Pooling“ System können auch kleine Heimspeicher am Regelenergiemarkt mitwirken und so zur Stabilität der Netze beitragen und zusätzliche Gewinne/Ersparnisse generieren. Auf der Plattform „Die smarte Batterie“ werden in Zukunft mehr Berichte zu diesem Thema erscheinen.

PS:

Die Auswahl eines Speichers ist sorgfältig zu treffen. Fragen Sie sich bitte, „was genau soll der Speicher erfüllen? Was ist mir wichtig und welcher Autarkiegrad ist für mich notwendig, damit ich das Projekt als erfolgreich betrachte?“

Wenn Sie sich einen Speicher anschaffen möchten, empfehle ich Ihnen mein E-Book „die smarte Batterie“, mit dem Sie sich rasch einen Überblick über den Stromspeichermarkt verschaffen können.